Esowatch

Esowatch.com zensiert: Nervige Poster schmeißen wir raus!

 
 
Im Esowatch-Forum macht sich die Tendenz zu immer mehr hinterfragenden und kritischen Beiträgen und Diskussionen von Forenmitgliedern breit, die dabei wiederum auf Gegenwehr der Esowatch-Anhänger stoßen. Dabei machen sich vermehrt Extremisten beider Parteien bemerkbar, die durch ihre provokativen Beiträge auffallen.
 
Für die Macher von Esowatch.com „ein kleines Problem“, wie diese in ihrem Blog am 18. April 2011 posten: Sie würden sich in ihrem Forum, das sie als ehemals „virtuelles Wohnzimmer“ bezeichnen, nicht mehr wohl fühlen. Poster, die sich dort allzu intensiv auslassen, werden als „Besserwisser mit zuviel Zeit“ bezeichnet und sollen nun kurzerhand rausgeschmissen werden. Dabei berufen sich die Esowatcher auf ihr „Hausrecht“.

Die offizielle Begründung lautet, dass diese Schreiber ihnen und angeblich etlichen anderen Mitlesern „mächtig auf die Nerven“ gehen würden und die Behandlung solcher Beiträge mehr Zeit koste, als sie es wert seien. Posts werden als „inhaltslos“ bewertet, Schreibern wird „absichtliches Falschverstehen“ vorgeworfen sowie persönliche Angriffe (– wobei man letzteres als Kritikpunkt von einem Esowatcher fast schon als Ironie bezeichnen könnte!).

Interessant ist, dass man noch im März dieses Jahres anders gedacht hat: In einem weiteren Blogbeitrag findet sich eine Stellungnahme von Esowatch.com zu Stimmen in anderen Foren, die den Stil auf Esowatch konstatieren. Das Feedback zeige an, dass die Seite sehr viele Menschen erreiche und der „sachliche, aber eindeutige Ton“ auf die Mehrzahl der Leser sehr überzeugend wirke. „Deshalb werden wir genau so weitermachen wie bisher“, schrieb Esowatch.
 
Woher also nun der Sinneswandel? Es scheint, als ob die Betreiber der Seite befürchten, dass gerade das Forum mit seinem ohnehin schon schlechten Ruf Esowatch.com in noch schlechteres Licht bringen kann, wenn das Verhalten der Extremisten negativ auffällt und für Strafanzeigen sorgen würde. So wird nun versucht, Schadensbegrenzung zu bewirken, indem sich Esowatch der „Störer“ schlicht entledigt. Die ursprünglichen Autoren versuchen daher inzwischen, Esowatch einen seriöseren Anschein zu geben, indem sie ihren Artikeln einen mehr sachlichen, neutralen Ton verleihen. Eine Stilanpassung, die bewusst durchgeführt wurde, um Leser nicht abzuschrecken, wobei die negative Gesinnung gegenüber alternativen Methoden grundsätzlich erhalten bleibt.

Kommentare zum oben erwähnten Blog weisen zweierlei Meinungen auf: Sympathisieren die einen mit dem Beschluss der Esowatch-Veteranen, so scheint anderen Forenmitgliedern der bisherige Stil des Forums und die Möglichkeit, „Dampf ablassen zu können“, gut zu gefallen. „Dampf kann man aber nicht immer auf höchstem Niveau ablassen, oder?“, so heißt es in einem Kommentar. Ein Beispiel dafür, dass viele Nutzer des Forums sich im Schutze der Anonymität weiterhin entsprechend auslassen wollen – statt Wohnzimmerniveau eben lieber Stammtischniveau.
 
Jetzt sollen also Poster, die keine elegante Feder führen können oder wollen, mit der Begründung „man geht uns auf die Nerven“ zensiert werden. Dabei wird jedoch ein altes Sprichwort vergessen: „Der Fisch beginnt immer vom Kopf an zu stinken“. Erschaffen wurde der Esowatch-Stil zuerst im Wiki. Nun wird er, wild und ungehemmt, von Forennutzern und Bloggern als Unterstützergemeinde auf esowatch.com und vielen weiteren Webseiten genutzt, um einen Feldzug gegen die als Esoterik bezeichneten alternativen Methoden wie die Homöopathie oder die Akupunktur zu führen. Und da dies vielen Forenbetreibern gut bekannt ist, distanziert sich die Urheberschaft von Esowatch nun von seinen Aktivisten, damit deren Taten nicht auf das Wiki zurückfallen.

Dass gerade die Unterstützergemeinde einen großen Anteil am Ranking von Esowatch hat, wird dabei gerne verschwiegen. Ob Esowatch ohne sie auskommt oder wirklich auf sie verzichten will, muss bezweifelt werden. Fraglich ist weiterhin, ob die Maßnahme ernst gemeint ist, denn dies würde ein Bekenntnis zu weniger Verbalangriffen bedeuten, das längst überfällig erscheint. Oder handelt es sich vielmehr um eine öffentlichkeitswirksame Propagandamaßnahme, die zeigen soll, dass man auf die deutliche Kritik von außen reagiert?

Bliebe Esowatch im Wiki fair und korrekt, würde sich wahrscheinlich auch die Unterstützergemeinde an die Regeln halten. Doch – wie die Esowatcher selbst ihren Blog abschließen: Es geht anscheinend nicht anders.
 
Die Webseite Promed.watch analyisert in einem Artikel die Situation wie folgt:

Eine interessante Analyse des „gereizten Klimas“ auf esowatch.com bietet auch die Seite Promed.Watch: Zum einen fehle seit dem 21. Januar die ganztägig arbeitende Forenmoderatorin „Conni“. Laut einer weiteren Meldung auf Promed.Watch sei der Name von "Conni" mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bekannt. Es handele sich um die Person, die das Esowatch-Forum über Jahre moderiert und in der Esowatch-Wiki unter dem Pseudonym „0815“ Inhalte publiziert hat. Nach ihrem Verlassen von esowatch.com gebe es niemanden, der diese Lücke zeitlich füllen könne.

Zum anderen werde das ohnehin schon relativ kleine Kernteam, das sich um die Pflege der Esowatch-Wiki kümmert, allgemein immer kleiner. Mehrere Personen dieses Kreises seien definitiv ausgeschieden und die Arbeit müsse von immer weniger Leuten erledigt werden.

Auch das immer weiter sinkende Image von esowatch.com (früher: psiram.com) werde zum Problem für die Plattform. „Informieren sich außenstehende Interessenten aktiv über Esowatch.com, so studieren sie heute in der großen Mehrheit der Fälle die Eselwatch-Wiki und stufen Esowatch.com als das ein, was es ist: ein unseriöses Hass-Portal“, so Promed.Watch.

Ein zeitraubender Faktor seien auch juristische Auseinandersetzungen, mit denen sich Mitglieder des Kernteams auf esowatch.de anscheinend verstärkt herumschlagen müssen. Mehrere Prozesse wurden von verschiedenen Mitgliedern geführt und verloren.

Zu guter Letzt könne eine interessante „Eigendynamik eines Hassportals“ beobachtet werden: An die 1000 Personen würden unter esowatch.com auf einer Weise dargestellt, die in vielen Fällen den Straftatbestand von übler Nachrede oder sogar Verleumdung erfülle. Dies führe dazu, dass eine wachsende Anzahl geschmähter Personen kreativ wird und die Schmähkritik nicht einfach auf sich beruhen lässt, sondern sich wehrt.

Als Fazit kann Promed.Watch Esowatch-Geschädigte aufmuntern, sich entspannt zurückzulehnen: Die Zeit arbeite für sie und gegen die Initiatoren von esowatch.com. „Auch wenn sie sich nach außen hin nichts anmerken lassen, so wissen sie doch, dass der große Zeitaufwand keinen Sinn mehr macht, wenn einem hohen juristischen Risiko kein entsprechender Nutzen (Glaubwürdigkeit und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit) mehr entgegensteht.“







Bildquellen:

Censorship: copyright by SWilmor, istockphoto
Kuh"Wenn die Seele brennt 5", copyright by geralt, Gerd Altmann, pixelio
"streit", copyright by moorhenne, pixelio
 
 

Beiträge aus dem Bereich Psiram Reader


Psiram.com: Cyber-Mobbing im Web 2.0

Kai Beisswenger nimmt den anonymen Internet-Pranger psiram.com kritisch unter die Lupe
weiter lesen

Rupert Sheldrake: Der Skeptizismus der Gläubigen

„Ich habe Skeptizismus für eine grundlegende intellektuelle Tugend gehalten, dessen Ziel die Wahrheitsfindung ist. Ich habe meine Meinung geändert. Ich sehe ihn jetzt als Waffe.“ (…)
weiter lesen

Die moderne Medizin und ihre natürlichen Feinde

„Kritik ist so lange hilfreich, solange sie nicht in Intoleranz und gar Ignoranz umschlägt.“ Entwickelt sich die GWUP zu einem fanatischer Orden?
weiter lesen

Beiträge aus der Rubrik "Richtigstellungen"


Richtigstellung von Viktor Philippi: Dankbar für alle Kriktik:

"Ich werde nicht unkommentiert zulassen, dass andere eine Arbeit, die auf das Wohl des Menschen ausgerichtet ist, in den Schmutz ziehen."
weiter lesen

Interview mit Regisseur P.A.Straubinger (Am Anfang war das Licht)

"Am Anfang war das Licht" ist einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme Österreichs und wurde mehrfach ausgezeichnet. Skeptikerorganisationen haben für das Thema kein Verständnis und befürchten Nachahmer. Straubinger nimmt zu den Kritikpunkten Stellung.
weiter lesen

© 2019 www.esowatch.de