Esowatch

NDR enthüllt: Finnisches Webseitenbewertungsportal WOT verkauft Nutzerdaten

 
Bereits im Jahr 2012 hatten wir darüber berichtet, dass Anonyme das finnische Webseitenbewertungsportal WOT ( Web of Trust – übersetzt „Netz des Vertrauens“, zu erreichen unter www.mywot.com) für „Negative Campaigning“ missbrauchen, um Webseiten der Alternativmedizin nur aus dem Grunde auf WOT abzuwerten, um Internetnutzer vom Besucher dieser Seiten abzuhalten. Reale technische Gründe, die dafür sprechen, dass der Besuch dieser Webseiten gefährlich ist, gab es in der Regel nicht. Die eigentlich gute Idee, eine Community zur Bewertung von Webseiten heranzuziehen, bekam schon damals einen schalen Beigeschmack. Doch nun berichtet der NDR darüber, dass WOT die Daten von Browserverläufen seiner Nutzer aufzeichnet und an Dritte verkauft. Das Brisante: Die Datensätze sind unzureichend anonymisiert.
 
WOT verzeichnet für sein Browser-Add-On, das für alle gängigen Browser verfügbar ist, seit der Gründung des Webportals vor etwa zehn Jahren mehr als 140 Millionen Downloads. Am 01.11.2016 sendete der NDR einen Beitrag, der gegen WOT schwere Vorwürfe erhebt. Nutzerdaten, unzureichend anonymisiert, würden über Zwischenhändler an Dritte verkauft. Die NDR Reporter Svea Eckert, Jasmin Klofta und Jan Lukas Strozyk recherchieren verdeckt. Eckert legt sich eine falsche Identität zu und gibt an, für eine Firma im „Big-Data“ Bereich zu arbeiten. Die Reporter erhalten eine kostenlose Datenprobe mit Datensätzen von ca. 3 Millionen Nutzern, die aus dem Monat August stammen. Dieser Datensatz wurde unter anderem mit Hilfe des WOT Add-Ons erstellt, wie auf den Webseiten der Tagesschau berichtet wird. Zudem lassen sie das Add-On von IT Profi Mike Kuketz überprüfen. Dass und wie das Add-On seine Daten an die Server der Firma sendet, ist auch aus dem öffentlich zugänglichen Quellcode nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Kuketz jedoch kann die Verschleierungen enttarnen. Seine Vorgehensweise hat er auf seiner Webseite dargestellt. Die NDR Reporter können die Datensätze konkreten Personen, darunter Richter, Manager und auch hohe Beamte, zuordnen. Sie stellen mit Kuketz‘ Hilfe zudem eine Falle, indem sie eine neue, unbekannte Domain erstellen und diese von einem eigens präparierten Rechner, auf dessen Browser ausschließlich das WOT Add-On installiert ist, ansurfen. Nach knapp einer Woche, so berichtet Kuketz auf seiner Webseite, seien „seine“ Daten dann in den Datensätzen des NDR aufgetaucht. „Nackt im Netz“ nennt die Redaktion ihren Beitrag, der im Magazin Panorama 3 gesendet wurde – und zu Recht. Denn lückenlos lässt sich nachverfolgen, welche Webseiten ein Nutzer aufgerufen hat. Intime Details des Privatlebens können so in den Handel geraten. Die Nutzer von WOT sind zumeist ahnungslos. Sie haben WOT installiert, um sicherer im Internet unterwegs zu sein. Es handelt sich also zweifelsfrei um personenbezogene Daten. Die Weitergabe ohne ausdrückliche Einwilligung der Nutzer ist nach deutschem Recht nicht erlaubt. So kritisiert der Datenschutzbeauftrage Hamburgs, Johannes Caspar, gemäß NDR-Bericht, dass Unternehmen zur Weitergabe von personenbezogenen Daten grundsätzlich eine Einwilligung der Betroffenen bräuchten. Dazu, so Caspar, müsse der Nutzer genau wissen, wozu er zustimmt. Dies sei bei WOT nicht der Fall. Eine massive Auswertung der Daten, erläutert der Datenschützer, sei daher nach deutschem Recht nicht zulässig.

Besonders prekär...

(weiter)
 
 

Beiträge aus dem Bereich Psiram Reader


Psiram.com: Cyber-Mobbing im Web 2.0

Kai Beisswenger nimmt den anonymen Internet-Pranger psiram.com kritisch unter die Lupe
weiter lesen

Rupert Sheldrake: Der Skeptizismus der Gläubigen

„Ich habe Skeptizismus für eine grundlegende intellektuelle Tugend gehalten, dessen Ziel die Wahrheitsfindung ist. Ich habe meine Meinung geändert. Ich sehe ihn jetzt als Waffe.“ (…)
weiter lesen

Die moderne Medizin und ihre natürlichen Feinde

„Kritik ist so lange hilfreich, solange sie nicht in Intoleranz und gar Ignoranz umschlägt.“ Entwickelt sich die GWUP zu einem fanatischer Orden?
weiter lesen

Beiträge aus der Rubrik "Richtigstellungen"


Richtigstellung von Viktor Philippi: Dankbar für alle Kriktik:

"Ich werde nicht unkommentiert zulassen, dass andere eine Arbeit, die auf das Wohl des Menschen ausgerichtet ist, in den Schmutz ziehen."
weiter lesen

Interview mit Regisseur P.A.Straubinger (Am Anfang war das Licht)

"Am Anfang war das Licht" ist einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme Österreichs und wurde mehrfach ausgezeichnet. Skeptikerorganisationen haben für das Thema kein Verständnis und befürchten Nachahmer. Straubinger nimmt zu den Kritikpunkten Stellung.
weiter lesen

© 2017 www.esowatch.de